|
NuklearterrorismusNach den verheerenden Anschlägen auf das World Trade Center, wird verstärkt die Gefahr heraufbeschworen, Terroristen oder andere "substaatliche Akteure" könnten nun auch Atombomben gegen Ziele in westlichen Staaten einsetzen. Der Megaanschlag vom 11.9.2001 hatte in seiner Wirkung tatsächlich Ausmaße angenommen, die auch mit kleinen Atombomben zu erreichen gewesen wären. Von den Attentätern wurde eine Schwelle überschritten, die manche Autoren nun auch folgern lässt, dass Terroristen vom Schlage Al Qaida nicht davor zurückschrecken würden, Atomwaffen oder schmutzige Bomben einzusetzen, um so viele Menschen wie möglich in den Tod zu reißen.Eine notwendige Voraussetzung hierfür ist einerseits die Kenntnis zum Bau einer einfachen Atombombe, zum anderen ist die Beschaffung nuklearwaffenfähigen Materials wesentlich. Die physikalischen Prinzipien zur Erzeugung einer Kettenreaktion sind heute kein Geheimnis mehr. Entscheidend ist jedoch die Beschaffung von waffenfähigem Material und die Überwindung der ingenieurtechnischen Probleme zum Bau einer funktionsfähigen Atombombe. Im wesentlichen gibt es drei Wege, die Terroristen oder auch Staaten beschreiten müssen, um eine funktionstüchtige Nuklearwaffe zu bauen:
Heute gibt es diverse großtechnische Verfahren zur Herstellung von nuklearwaffenfähigem Material, die im wesentlichen jedoch nur Staaten mit umfangreichen Nuklearprogrammen beherrschen. Terroristen könnten diese Kapazitäten höchstens in Zusammenarbeit mit einem Staat als Sponsor aufbauen und betreiben. Da die fünf offiziellen Nuklearwaffenstaaten sowie die drei De-facto-Nuklearwaffenstaaten teilweise enorme Mengen von waffenfähigem Nuklearmaterial hergestellt haben, wäre es für "Nuklearterroristen" naheliegend, Nuklearmaterial zu stehlen oder auf dem Schwarzmarkt zu erwerben. Diese Möglichkeit stellt somit die Frage nach der Sicherheit vorhandener Nuklearwaffenbestände und Waffenlager. Sorge gibt es angesichts bekannt gewordener Nuklearschmuggelfälle in Bezug auf die nukleare Sicherheit insbesondere auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion. Schwerwiegende Sicherheitslücken sind aber auch in anderen Kernwaffenstaaten nicht ausgeschlossen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin , dass Terroristen Atomkraftwerke oder Lagerstätten mit konventionellen Mitteln angreifen könnten, um Nuklearinventar freizusetzen. Radiologische Bomben sind nicht mit Atombomben vergleichbar, da sie lediglich radioaktives Material über eine große Fläche verstreuen würden. Allerdings hat sich gezeigt, dass je nach Ausbringung, Umweltbedingungen und Vorsorge größere Areale für längere Zeit unbewohnbar werden könnten. Al Qaida wird zwar nachgesagt, dass versucht wurde, Nuklearmaterial im Sudan zu erwerben, der Versuch blieb aber erfolglos. Auch die Meldung, in der ehemaligen Sowjetunion seien Rucksackbomben verschwunden, konnte bis heute nicht bestätigt werden. Die wohl gefährlichste Waffe bildet heute noch immer die Atombombe. Ist die Kettenreaktion einmal ausgelöst so entfaltet sich eine ungeheure Zerstörungskraft (Siehe Wirkung von Atomexplosionen) . Eine Grapefruit-große, kritische Masse kann eine Explosion von ca. 15.000 Tonnen konventionellen Sprengstoffes auslösen, die 50.000 Menschen oder mehr das Leben kostete und die ein großes Areal auf Jahrzehnte unbewohnbar machen würde. Nötig ist dafür die Beschaffung von waffenfähigem Material, 20-100 kg hochangereichertem Uran (HEU) oder 6-20 kg Plutonium und die Kenntnis des "Designs" einer funktionsfähigen Bombe. Schwieriger ist die Konstruktion einer funktionsfähigen Anordnung zur Auslösung einer Kettenreaktion. Terroristen sind aber prinzipiell durchaus in der Lage mit ca. 50-100 kg HEU einen einfachen atomaren Sprengsatz zu bauen und auszulösen. Eine jüngst veröffentlichte Pugwash-Studie kommt zu folgendem Ergebnis: "A team of terrorists with sufficient knowledge of physics, explosives and machining could, having gathered information available in open and easily available sources, construct a crude nuclear bomb that would have a high probability of exploding with a sizable nuclear yield." Terroristen müssen den Sprengsatz nicht notwendigerweise testen, wären aber auch nicht sicher, welche Wirkung der Sprengsatz im Explosionsfall entfalten würde. Präventive Maßnahmen sind vordringlich. Im Prinzip gibt es verschiedene präventive Möglichkeiten, zu verhindern, dass Terroristen nuklearwaffenfähiges Material erwerben. Maßnahmen, die Diebstahl und Schmuggel von spaltbarem Material sicherstellen, sollten an erster Stelle stehen, da eine vorbeugende Kontrolle wesentlich leichter und effektiver ist, als wenn das Material in den schwarzen Markt gelangt ist. Solange nuklearwaffenfähiges Material in großen Mengen vorhanden ist, besteht immer die Gefahr, dass es in unbefugte Hände gelangen könnte. Durch nukleare Abrüstung kann längerfristig erreicht werden, dass die enormen Bestände verringert werden. Verschiedene Programme (Cooperative Threat Reduction) existieren heute, um nukleare Sicherheit im Bereich Lagerung, Transport und Abbau von Überschüssen zu erreichen. Maßnahmen der Rüstungskontrolle und Nonproliferation zählen ebenso dazu: Verträge und Konventionen verstärken eine internationale Norm in Bezug auf den Einsatz und die Abrüstung von Nuklearwaffen. Sollte Nuklearmaterial außerhalb gesicherter Lager gelangt sein, so können Detektoren und Messgeräte radioaktives Material aufspüren. Angesichts hoher Umschlagzahlen bei Containern ist man verstärkt um die Containersicherheit besorgt Sollte es tatsächlich trotz umfangreicher Vorsorgemaßnahmen Nuklearmaterial freigesetzt werden, ist ein funktionierendes und effektives Katastrophen-Management nötig. Dazu benötigt man ausgebildetes Personal, die richtige Ausrüstung und erprobte Organisationsverfahren. Links
Literatur
|
|||||||||||||
| |
Mail an die Autoren | zuletzt aktualisiert 2003-07-15 |