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Information WarfareDie Struktur des internationalen Systems hat sich mit Ende des Kalten Krieges verändert. Diesen Wandel zu berücksichtigen ist jedoch nicht die einzige Herausforderung für die Rüstungskontrolle. Neben den systemischen Veränderungen fand eine Informationsrevolution statt, die der Rüstungskontrolle weitere schwierige Fragen stellt. Technische Neuerungen wie z.B. Präzisionswaffen, Echtzeitdatenübermittlung und neue Kommunikationsinfrastrukturen (dezentrale Netzwerke beispielsweise) in Kombination mit verbesserten Aufklärungsmöglichkeiten (Sensoren, Satellitentechnik, Drohnentechnik etc.) verändern militärische Organisation, Strategie und Taktik. Somit steht die Rüstungskontrolle vor einer "doppelten Herausforderung": sie muss sich sowohl "den strukturellen Veränderungen des internationalen Systems" als auch der "technologischen Dynamik des Informationszeitalters stellen" (Minkwitz/Schöfbänker 2000,151).Was ist Information Warfare?"Information Warfare" (kurz: IW) ist als Konzept undurchsichtig, denn es meint zunächst einmal alle Interaktionsformen, die sich in irgendeiner Weise mit Informationsaustausch beschäftigen. Martin Libicki weist zurecht darauf hin, dass es dieser Definition folgend wenig gäbe "that is not information warfare" (Libicki 1995). Unabhängig von den definitorischen Schwierigkeiten mit dem Begriff ist es aber offensichtlich, dass Information per se an Wichtigkeit gewonnen hat, da IW Eingang in die militärischen Doktrinen der technologisch fortschrittlichsten Länder gefunden hat. Was steckt also dahinter? Kerngedanke von IW ist, dass die militärischen Konflikte der Zukunft nicht mehr durch die bloße qualitative und quantitative Überlegenheit von Streitkräften gewonnen werden, sondern dass vielmehr diejenige Partei Vorteile habe, die über die besseren Informationen verfüge. Neue Technologien sind hierbei ausschlaggebend. Diese ermöglichen es, große Mengen von Daten zu sammeln (z.B. optische Informationen eines Satelliten oder einer Drohne), zu archivieren (Speicherkapazität), zu verarbeiten (Prozessorleistung) und aber auch ohne Zeitverlust weitergeben zu können (schnelle und sichere Kommunikationswege), um "just-in-time" beispielsweise Präzisionswaffen ins Ziel zu lenken. Doch was ist das Ziel? Wenn Informationen derart wichtig sind, geraten diejenigen Einrichtungen ins "Visier" von Militäraktionen, die Informationen sammeln, speichern, verarbeiten und weiterleiten - ergo die Informationsinfrastruktur und nicht etwa die klassischen Militärgüter. Militärkampagnen der letzten Jahre (z.B. der Golfkrieg) haben gezeigt, dass zunehmend die Informationsinfrastruktur eines Gegners in das Fadenkreuz der Militärs gerät. Im Idealfall ist somit der Gegner "blind", während die eigene Seite durch die neuen Informationstechnologien sogar "top sight" besitzt. Dies bedeutet, dass es die moderne Technologie ermöglicht, sowohl alle eigenen, als auch die gegnerischen Bewegungen zu kennen, während der Gegner lediglich die Standorte eigener Einheiten kennt, wenn überhaupt. Arquilla/Ronfeld benutzen hierfür die Analogie einer Schachpartie, in der ein Spieler lediglich eigene Figuren sieht, während der Gegenspieler das komplette Spielgeschehen im Blick habe.[1] Aus dieser Akzentuierung des Faktors "Information" ergeben sich Anpassungsprozesse in den Militärhierarchien, hin zu flachen Organisationsstrukturen. So wird IT "Know How" nicht nur als "force - multiplier" eingesetzt, sondern wird zu einer strukturbestimmenden Komponente der Streitkräfte. Asymmetrische BedrohungTreibkraft der Informationsrevolution ist nicht etwa der Bereich der militärischen Forschung und Entwicklung, sondern die Privatwirtschaft. Neuerungen, die o.a. militärische Konsequenzen haben, sind meist "Dual-Use" Produkte, die frei auf dem Markt verfügbar sind (z.B. PCs zur schnellen Datenverarbeitung) und somit für staatliche und nicht-staatliche Akteure zu relativ geringen Kostenfrei zugänglich. Technologieorientierte westliche Gesellschaften sind aufgrund Ihrer offenen Informationsinfrastruktur besonders anfällig für asymmetrische Maßnahmen seitens staatlicher und nicht-staatlicher Organisationen, die durch Nutzung ziviler Möglichkeiten (z.B. Cyberterrorismus) diesen Gesellschaften beträchtlichen Schaden zufügen können. Ähnliches gilt für die Militärs, die aufgrund Ihrer IT-Orientierung zwar auf der einen Seite beträchtliche militärische Möglichkeiten an die Hand bekommen, andererseits aber auch genau in diesem Bereich verwundbar sind. "(...), information warfare capabilities do not require huge financial resources to acquire and exploit. Moreover, these technologies need not be employed in the way the United States has used them to be effective. They can be used to offset superior capabilities by striking at vulnerable linies of connectivity"(Goldmann 1997, 38). Diese Verwundbarkeit ergibt sich aus der zunehmenden Verquickung von militärischer und ziviler Infrastruktur, die für sich allein schon ein Problem für die Rüstungskontrolle darstellt. Es sei darauf hingewiesen, dass Konfliktparteien mit einer asymmetrischen Strategie nicht auf Hochtechnologie angewiesen sind um dem Gegner in seiner Kommunikationsinfrastruktur zu schaden (vgl. Arquilla/Ronfeld 1997, 32). Diese Entwicklung macht es für klassische Rüstungskontrolle schwierig, denn nunmehr können z.B. militärische von zivilen Zielen schlecht unterschieden werden. Neue Technologien entstehen vor allem im zivilen Bereich und haben Dual-Use Charakter, womit auch hier ein regulativer Eingriff schwierig ist. Eine weitere Hürde für Rüstungskontrolle ist das Akteursproblem. Die Struktur der modernen Kommunikationsinfrastruktur ist dezentral und ermöglicht weitgehende Anonymität, so dass bei Angriffen auf sogenannte kritische Infrastrukturen (z.B. Energieversorgung, zentrale Datenknoten) nur schwer zu identifizieren ist, wer hinter diesem Angriff steht, oder aber, ob es sich um einen Unfall handelt. Welche Möglichkeiten Rüstungskontrolle in Bezug auf IW hat ist weitgehend unerforscht. Präventive Rüstungskontrolle (PRK), wäre eine potentielle Möglichkeit, auch im Zeitalter moderner Informationstechnologien zum Abbau von Konfliktpotentialen beizutragen, doch wie genau, gilt es noch herauszufinden. Links
Literatur
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Mail an die Autoren | zuletzt aktualisiert 2002-11-11 |