IFAR - Forschungsplan

Interdisziplinäre Forschungsgruppe Abrüstung, Rüstungskontrolle
und neue Technologien (IFAR)


Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts verstärkte sich der Trend in der friedens- und sicherheitspolischen Forschung hin zu der Bearbeitung von primär nichtmilitärischen Ursachenkomplexen von Konflikten. Dem entgegen steht die zunehmende Bedeutung militärischer Mittel der Politik in unterschiedlichsten Konfliktszenarien, sowie die vielfachen Probleme, die sich von der Erforschung bis hin zum Einsatz rüstungsrelevanter Risikotechnologien ergeben. Ein Ende oder die marginalisierte Bedeutung der Rüstungsdynamik ist mithin nicht zu beobachten, wohl aber ein beschleunigtes Fortschreiten. Dies vollzieht sich zwar unter anderen Vorzeichen und in neuen Konstellationen von Akteuren, Strukturen und Prozessen, doch ihre Wirkung auf die Weltpolitik ist ungebrochen. In Folge der wissenschaftlich-technischen Revolution entsteht derzeit eine große Zahl neuer Technologien, wie z.B. globale Kommunikations- und Leitsysteme oder moderne Biowaffen, die rüstungsrelevant werden können oder bereits rüstungsrelevant sind. Zu erinnern ist auch an die strategische Nutzung des Weltraums für militärische Zwecke. Die Möglichkeiten etwa der Informationskriegführung oder die Gefährdung kritischer Infrastrukturen basieren auf der so genannten "Revolution in Military Affairs" (RMA), in der bereits die Erforschung und Entwicklung von Technologien eine nachhaltige Wirkung auf Konfliktkonstellationen hat.

Die Forschungslinien der Arbeitsgruppe zeichnen sich entlang folgender Schwerpunkte ab:

  • Grundlagen, Möglichkeiten und Formen von Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nonproliferation nach dem Ende des Ost-West-Konflikts sowie die Entwicklung von anwendungsbezogenen Konzepten präventiver Rüstungskontrolle, die die Entwicklung von Rüstungstechnologien mit einbezieht;
  • "Monitoring" der fortschreitenden Rüstungsdynamik und Rüstungskontrollpolitik in Europa und ihre Implikationen für die Allianzpolitik, den Waffeneinsatz und die Strategiediskussion;
  • technische Möglichkeiten existierender und zukünftiger (Waffen-) Entwicklungen, insbesondere im Bereich Raketenabwehr und Weltraumbewaffnung.

IFAR bearbeitet innerhalb des Beziehungsgeflechts Technologie - Rüstung - Sicherheit Fragestellungen zum komplexen Zusammenspiel von rüstungsdynamischen Faktoren, dem potenziellen Waffeneinsatz, der Strategiedebatte sowie der Rüstungskontrolle und Abrüstung als sicherheitspolitischem Instrument zur Zivilisierung bestehender oder potenzieller Konflikte. Zusätzlich zu diesen klassischen Themen rücken verstärkt die Implikationen der sich durch Technologien wandelnden Gefahrenanalyse, Streitkräftestrukturen und Strategien in den Blickpunkt. Das IFSH hat der steigenden Komplexität solcher Fragestellungen durch die Umwandlung des ehemaligen Arbeitsbereiches Rüstungskontrolle und Abrüstung in die interdisziplinäre Forschungsgruppe Rechnung getragen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Kombination naturwissenschaftlich-technischer und sozialwissenschaftlicher Expertise und Methoden.
Die Forschungsergebnisse werden kontinuierlich durch Tagungen, Vorträge und Veröffentlichungen sowie durch die direkte Beratung von Vertretern des Parlaments und der Administration in Forschung und Öffentlichkeit eingebracht. Mit dem Ziel der erhöhten Präsenz und Aktualität soll in Zukunft die Erstellung von Briefingpapers das Informationsangebot der Forschungsgruppe abrunden. IFAR beteiligt sich darüber hinaus an einer Reihe von Lehrveranstaltungen der Universität Hamburg und des Masterstudiengangs "Peace and Security Policy" am IFSH.

Projekt: "Die Zukunft der Rüstungskontrolle"

Das Forschungsprojekt "Die Zukunft der Rüstungskontrolle" soll die Grundlagen, die Gültigkeit und die Defizite der Rüstungskontrollidee herausarbeiten. Die technologische Dimension künftiger Rüstungsentwicklungen wird anhand konkreter Beispiele vertieft, und das Konzept der präventiven Rüstungskontrolle erweitert. Mit den Ergebnissen und zwei Tagungen sollen Anstöße zur breiteren Diskussion um die Zukunft der Rüstungskontrolle geleistet und praktische Empfehlungen gegeben werden. Im Dezember 2002 wurde die erste von zwei Tagungen erfolgreich und unter hoher Beteiligung durchgeführt. Ein zentrales Ergebnis in Bezug auf künftige Forschung war die Fokussierung auf die Themen "Rüstungskontrolle und Marschflugkörper", "Neue Kriegsbilder" und "Die EU als Rüstungskontrollakteur". Die Zusammenarbeit mit der Rüstungskontrollabteilung des Auswärtigen Amtes und dem Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr (ZVBw) soll intensiviert werden.

Dienstleistungen:

  • Homepage "www.ArmsControl.de"
  • Zusammenarbeit mit dem DFG-Projekt "Virtuelle Fachbibliothek: Friedensforschung und Politikwissenschaft" der Staatsbibliothek Hamburg
  • Eine Material-CD der ersten Tagung zur Zukunft der Rüstungskontrolle wurde im Februar 2003 erstellt.
  • Politikberatung des Parlaments und des Auswärtigen Amtes im Bereich nukleare Rüstungskontrolle
  • Zusammen mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ist die Revitalisierung der "Atomtestkommission" geplant.
  • Vorträge bei Tagungen

Materialien:

  • Tagungsband zur Tagung "Zukunft der Rüstungskontrolle"
  • Ergebnispräsentation der zweiten Tagung "Zukunft der Rüstungskontrolle II"
  • Fallstudie: "Die EU als rüstungskontrollpolitischer Akteur"
  • Tagungsbeitrag: High-Tech Armeen: Mittel, Methoden und Probleme technologischer Kriegsführung in den Armeen demokratischer Staaten

Veranstaltungen:

  • Tagung: "Zukunft der Rüstungskontrolle II" ( Juni 2003 - Berlin)

Bearbeiter/in: Götz Neuneck, Christian Mölling
Laufzeit : 01.07.2001- 30.6. 2003
Förderinstitution: Berghof-Stiftung


Projekt "Weltraumbewaffnung/Raketenabwehr und die
Möglichkeiten präventiver Rüstungskontrolle"


Die Strategieentwicklung der USA und die Kündigung des ABM-Vertrags durch die Vereinigten Staaten implizieren eine zukünftige Bewaffnung des Weltraums. Parallel dazu verstärken die USA ihre Bemühungen zur Errichtung von funktionierenden Raketenabwehrsystemen erheblich. Diese Forschungsanstrengungen sowie ihre mögliche Umsetzung haben neben Konsequenzen für die regionale Stabilität im Mittleren Osten und in Asien auch Einfluss auf die nukleare Rüstungskontrolle und Abrüstung. Ziel des Forschungsprojekts ist es einerseits, die technischen Möglichkeiten von Waffensystemen im Weltraum sowie von außerhalb der Atmosphäre wirksamen Raketenabwehrsystemen auf der Basis heutiger und künftiger technologischer Entwicklungen zu analysieren. Auf dieser Grundlage werden mögliche Konsequenzen für die internationale Sicherheit, die Rüstungskontrolle und die zivile Raumfahrt dargestellt. Andererseits sollen präventive Beschränkungen für eine aktive Nutzung von Weltraumwaffen aufgezeigt und Impulse für die internationale Rüstungskontrolle gegeben werden. Die Kooperation mit dem MIT Security Studies Programm und der Union of Concerned Scientists soll ebenso erweitert werden wie mit dem Lehrstuhl "Politik Südost-Asiens" der Universität Münster (Prof. Dr. Susanne Feske). Weiterhin ist eine Zusammenarbeit mit der TU Braunschweig (Institut für Luft- und Raumfahrtsysteme) über die Konsequenzen von Weltraumschrott in Vorbereitung.

Dienstleistungen:

  • Beteiligung an Homepage "www.ArmsControl.de"
  • Vorträge zum Briefing von MdBs und der Beratung der Rüstungskontrollabteilung des AA
  • Betreuung von Diplomarbeiten
  • Vorträge bei Tagungen und Workshops
Materialien:

  • Studie für das Büro für Technologiefolgenabschätzung beim deutschen Bundestag (TAB)
  • Buchpublikation zur Raketenabwehr
  • Aufsatz über Raketenabwehr in Asien
  • Briefing Paper zu den Themen Weltraumschrott, Raketenabwehr sowie Fernerkundung, GPS und Kommunikation.
Veranstaltungen:

  • Pugwash-Workshop im Juni 2003 in Castellon, Spanien;
  • Tagung: "International Arms Control, Transparency and Verifikation in a European-Russian Framework of Cooperative Security", Expert-Briefing "Moving beyond Missile Defense" INESAP & Berghof, Januar 2003.

Bearbeiter/in: Götz Neuneck, André Rothkirch
Laufzeit: 01.06.2002-31.05.2004


Projekt: "Revolution in Military Affairs/Information Warfare"

Das Projekt "Die Revolution in Military Affairs/Information Warfare und ihre Auswirkungen auf die Rüstungskontrolle" hat am 1. Januar 2003 seine Arbeit aufgenommen. Hier werden die wissenschaftlich-technischen und militärpolitischen Konzepte, Problemlagen und Konsequenzen im Bereich "RMA/Information Warfare" herausgearbeitet und Möglichkeiten für eine präventive Rüstungskontrolle diskutiert. Untersucht werden nicht nur die Möglichkeiten physikalischer Netzwerkangriffe, sondern auch die Rolle des Konzepts "Information Warfare" und die Bedeutung von Informationstechnologien in der "Revolution in Military Affairs". Neben den technologischen Aspekten von RMA/Information Warfare, der Frage künftiger Bedrohungen und der fortschreitenden Strategiedebatte gilt ein weiteres Augenmerk dem Streitkräftewandel unter den Bedingungen von RMA. Im Vordergrund steht hier der Wandel der westlichen Streitkräfte und ihrer Einsatzstrategien hin zur Interventionsfähigkeit und Internationalisierung. Insbesondere mit Blick auf den Ausbau europäischer Fähigkeiten soll hier mit ZEUS zusammengearbeitet werden.

Erste Vorgesprächemit dem Ziel einer tiefgreifenderen technischen Analyse wurden geführt. Hierzu ist eine fachliche Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Informatik der Universität Hamburg (Prof. Leonie Dreschler-Fischer und IFIP (International Federation for Information Processing, Prof. Brunnstein) vorgesehen. Im Herbst wird der Politikwissenschaftler Prof. Keith Shimko im Rahmen des Austauschprogramms der Universität Hamburg und der Purdue University zu der Arbeitsgruppe stoßen.

Dienstleistungen:

  • Beteiligung an der Homepage www.ArmsControl.de
  • Seminarveranstaltung zu "Information Warfare", gemeinsam mit dem FB Informatik der Universität Hamburg
Publikationen:

  • Tim Wilkens, Untersuchung des militärisch-technischen Wandels der US-Streitkräfte und seiner Auswirkungen auf die europäischen NATO-Staaten, Diplomarbeit, Universität Hamburg, FB Sozialwissenschaft (in Begutachtung)
  • C. Mölling / G. Neuneck, Informationsbasierte Kriegsführung unter dem Paradigma der Revolution in Military Affairs: Konzepte, Risiken und Probleme. In: Friedenswarte 1/2003
  • Fallstudie RMA und Rüstungskontrolle (in Arbeit).

Veranstaltungen:

  • Workshop: Neue Technologien und Technologiedynamik/RMA (VDW, ZVBw)

Bearbeiter/in: Götz Neuneck, Christian Mölling, Tim Wilkens
Laufzeit: 1.1.2003- 31.12.2003


Projekt: "Neue Bedrohungen, neue Strategien, neue Kriege"

In der aktuellen Sicherheitspolitik des Westens und der transatlantischen Strategiedebatte nehmen asymmetrische Bedrohungen eine zentrale Rolle ein. Auf der Ebene künftiger Gefahren spielen zwei Szenarien eine wichtige Rolle: Zum einen terroristische Anschläge mit Massenvernichtungswaffen oder "Low-tech-Angriffe" gegen zivile Infrastrukturen, zum anderen das Phänomen der "Neuen Kriege". Vor dem Hintergrund weltweiten Handels, der heutigen Kommunikationsmöglichkeiten und der Dual-Use-Problematik wird die wachsende Gefahr betont, dass transnationale Akteure sich neue technische Mittel beschaffen, die auf die Verletzlichkeit moderner Industriegesellschaften zielen. In Fortsetzung des Projekts "Terrorismus und Massenvernichtungswaffen" wendet sich IFAR den Fragen der Verfügbarkeit, der Einsatzbedingungen(-szenarien) und Folgepotenziale von sog. "Terror-Waffen" sowie möglichen Beschränkungsoptionen zu.

In der Reaktion auf neue Bedrohungen und militärische Aufgaben verfügen der Westen und insbesondere die USA über eine enorme militärtechnische Überlegenheit. Die technologische Eigendynamik des amerikanischen "capability driven" Ansatzes führt hierbei zum stetigen Ausbau dieser Dominanz. Das Wechselverhältnis dieser Faktoren mit jenen der Weiterverbreitung von Technologien und der Entwicklung asymmetrischer Gegenstrategien anderer Akteure besitzt zentralen Einfluss auf die Wandlung der Kriegsbilder und -strategien, die Proliferationsproblematik (secondary proliferation) und die allgemeine Bedrohungswahrnehmung.
Dieses Gebiet soll gemeinsam mit ZEUS bearbeitet werden.

Dienstleistungen:

  • Vorträge bei Tagungen
  • Beratung der Rüstungskontrollabteilung des AA
Publikationen:

  • Fallstudie: Neue Bedrohungen und neue Kriegsbilder (in Arbeit)

Veranstaltungen:

  • VDW-Workshop Neue Bedrohungen und neue Kriegsbilder

Bearbeiter/in: Götz Neuneck, Christian Mölling, Tim Wilkens
Laufzeit: 1.1.2003- 31.12.2003


Mail an die Autoren | zuletzt aktualisiert 2003-02-19