|
Diese Seite wird betrieben von der Interdisziplinären
Forschungsgruppe Abrüstung, Rüstungskontrolle und Risikotechnologien
(IFAR) des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik
an der Universität Hamburg:
Diese Homepage entstand aus dem Projekt:
Die Zukunft der Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nonproliferation
Ein gemeinsames Forschungsprojekt von IFSH und IANUS
Das Problem:
Während die Rüstungsdynamik selbst einem massiven Wandel unterliegt
und neue Fakten schafft, stehen in vielen Fällen adäquate Konzepte
und Instrumente zur Einhegung dieser Dynamik nicht zur Verfügung.
Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts sind nichtmilitärische Konfliktgründe
und Dynamiken in den Mittelpunkt sowohl des politischen als auch des wissenschaftlichen
Interesses gerückt. Mit der Verbreiterung dieses Rahmens wurde jedoch
der Rüstungsdynamik als Ursache von Konflikten und Beitrag zur Eskalation
wenig Beachtung geschenkt. Inzwischen erweist sich der sicherheitspolitische
Perspektivwechsel als voreilig.
Die Rüstungsdynamik ist keineswegs zum Stillstand gekommen. Sie hat auch nicht aufgehört, gravierende
Sicherheitsrisiken hervorzubringen. Dem konstatierten Wandel der Bedrohungslage wird weiterhin ein auf
militärische Mittel zurückgreifendes Konfliktmanagement entgegengesetzt. Hinzu kommen militärtechnologische
Entwicklungen und Strategien, die weit über das für internationale Intervention Notwendige hinaus gehen.
Unter dem Schlagwort der "Revolution in Military Affairs" ist die letzte Dekade gekennzeichnet durch
qualitative Aufrüstung, um das Militär an neue Herausforderungen anzupassen. In diesem Zusammenhang spielt
die Erforschung und der Einsatz neuer Technologien eine entscheidende Rolle. So z.B. die Biotechnologie
im Rahmen der Entwicklung "nichtletaler" Waffen, oder die Informationstechnologien im Zusammenhang mit der
"Informationsbasierten Kriegführung". Es stellt sich die Frage, wie solchen Entwicklungen und den sie
begleitenden Risiken zu begegnen ist.
Im politischen und wissenschaftlichen Verständnis, wie auch in der
Praxis ist die Rüstungskontrolle ein Konzept, dessen Herkunft und
heutiger Kern in der Ost-West-Konfrontation zu suchen ist. Das Ende dieser
Ära hat jedoch keinen Anpassungsprozess; der Rüstungskontrolle
an neue Realitäten zu Folge gehabt. Sowohl in konzeptioneller als
auch in praktischer Hinsicht ist in den Jahren nach dem Ende des Ost-West-Konflikts
ein allgemeiner Rückgang der wissenschaftlichen Arbeiten zur Problematik
der Rüstungskontrolle und Abrüstung zu verzeichnen. Eine systematische
Rezeption der vergangenen Rüstungskontrolldekade ist nur in Ansätzen
erkennbar.
So ist ein Effektivitätsverlust zu beobachten, der sowohl der Rüstungskontrolle
als Konzept als auch dem übergeordneten Ziel der Einhegung und Prävention
von gewaltsamen Auseinandersetzungen schadet. Schon wird gefragt, ob die
Rüstungskontrolle am Ende sei.
Die Notwendigkeit zeichnet sich ab, Rüstungskontrolle an die neuen
Bedingungen nach dem Ende des Ost-West-Konflikts anzupassen. Aus Effizienzgründen
ist sie künftig auf ein weit komplexeres Gefüge an Zielen, Maßnahmen
und Instrumenten angewiesen als es die klassische Rüstungskontrolle
darstellte. Einen entscheidenden Beitrag zur Prävention gewaltsamer
Konflikte kann die frühzeitige Begrenzung rüstungstechnologischer
Optionen leisten, wie es das Konzept der präventiven Rüstungskontrolle
intendiert.
Ziel und Fragestellungen des Projektes:
Das Projekt soll einen Betrag zur Initiierung bzw. für das Vorantreiben der Debatte um die Zukunft der
Rüstungskontrolle bieten. Neben der Frage, ob es Perspektiven für einen homogenen Rahmen oder übergeordnete
Prinzipien der zukünftigen Rüstungskontrolle gibt, geht es auch um die Möglichkeit, einen Anstoß zur breiteren
Diskussion in der Öffentlichkeit zu leisten und praktische Empfehlungen an die Politik abzugeben. Hierzu widmen
wir uns folgenden Fragen:
- Welche Bedingungen und Erwartungen für eine effektive Rüstungskontrolle
sind nach dem Ende des Ost West Konflikts vorhanden?
- Wie ist es um die Gültigkeit und Effektivität klassischer Ansätze und Instrumente
der Rüstungskontrolle im Lichte dieser neuen Herausforderungen bestellt?
- Welches Interesse an weiteren Beschränkungen sind in der Staatenwelt
vorhanden und wer sind die Akteure und zukünftigen Träger der
Rüstungskontrolle (z.B. NGOs, internationale Organisationen)?
- Wo gibt es destabilisierende Entwicklungen im Bereich rüstungsrelevanter
Technologien?
- Welche Maßnahmen für eine präventive Rüstungskontrolle
sind möglich und umsetzbar?
- Wie ist die Rüstungskontrolle in ein wissenschaftliches/ politisches
Konzept von erweiterter Sicherheit integrierbar?
Arbeitsweise des Projektes:
Die wissenschaftlichen Ergebnisse sollen für eine
breitere Öffentlichkeit verständlich und damit zugänglich
gemacht werden. Hierfür sind vorgesehen:
- 2 Workshops mit Experten und Öffentlichkeit
- Ergebnispräsentation in Sammelbänden
- Aufbau und Pflege einer Homepage zu dem Thema
- Aufbau einer Literaturdatenbank
- Erstellung eines Readers zur Präventiven Rüstungskontrolle
- Erarbeitung von Briefing Papers zur Raketenabwehr und neuen Technologien
Empirische Arbeiten der beteiligten Forschungsgruppen
Neben den konzeptionellen Arbeiten sollen einige Studien zu konkreten
Rüstungstechnologien und der Möglichkeit ihrer Einhegung durch
PRK durchgeführt werden:
- Raketenabwehr
- Neue Technologien/ Informationskriegsführung
- Crude Nuclear Weapons
|